Claude Lachat - Kolumne des Baselbieter Schriftstellers: "Ali Baba und die vierzig Passwörter"


Die HappyTimes-Kolumne des Baselbieter Schriftstellers Claude Lachat.

Ali Baba und die vierzig Passwörter

Gestern war es soweit. Ich konnte meine Aufregung nicht verbergen, denn Glückshormone zu unterdrücken macht keinen Sinn. Schon beim Öffnen des Laptops kam ich mir vor wie Ali Baba vor der Räuberhöhle und murmelte den Satz „Öffne dich, oh Sesam“. Der Eingang zur Räuberhöhle präsentiert sich im Schein des Monitors in Form eines Pop-Up-Fensters welches mich aufforderte mein Passwort einzutippen.

Ali Baba und Sesam öffne dich funktionierten nicht. Es musste eines meiner gefühlt hundert Passwörter sein, die den Schlüssel zu meinem Schatz waren. Ich war mir jedenfalls sicher, dass ich idiotensichere Passwörter verwendete die nicht einmal die wunderschöne Sklavin Mardschana oder die vierzigköpfige Räuberbande erraten würden. Kalif Hassan und Prinz Cassim wurden gnadenlos als Passwort abgeschmettert. Zur Bestrafung erhielt ich vier Strafminuten bis ich wieder eines meiner genialen Passwörter eingeben durfte. Selbstbewusst tippe ich nach Ablauf meiner Zeitstrafe 1001 Nacht ein. Ich komme mir vor wie der Dieb von Bagdad.

Die Räuberhöhle öffnet sich mit einem Morgenstern, der mich willkommen im Paradies heisst. Ich bin drin! Die Schätze dieser Höhle sind zum greifen nah. Ich werde aufgefordert, meine Anzahl Punkte die ich mit meiner Kreditkarte während meiner Reisen durchs Morgenland gesammelt habe einzugeben. Es sind tausende von Punkten, die mich reich werden lassen, grinse ich voller Vorfreude in die funkelnde Schatztruhe. Um genau zu sein: 3’500! Ich hoffe, dass die vielen Nullen Platz finden, damit sich meine Preziosen auch gebührend auf dem Altar der Eitelkeiten präsentieren. Doch bevor ich meine Schatulle fülle, lasse ich mir alle möglichen Prämien vorführen. Flugreisen, Kisten edler Weine und ein Samsonite Reisekoffer-Set lachen mich an. Auch ein Gutschein von „Träume Dein Leben“ für ein Wellness- oder Städtehotel lockt mein Verlangen. Nimm mich, entdecke die weite Welt des Konsums und lasse dich verführen.

Ich lasse mich darauf ein und klicke die Flugreise an, natürlich Business, reserviere edle Tropfen und freue mich, meine neuen Koffer zu packen um im 5-Sterne-Hotel meiner Wahl einzuchecken. Ihnen fehlen 125'000 Punkte. Bitte wählen Sie ihre Kategorie. Meine Kategorie? Das wären dann schlappe 3'500 Punkte. Es dauert auch nicht lange und die Räuberhöhle schlägt vor, mich entweder für den Sparschäler oder den Fünf-Frankengutschein für ein paar gelbe Ringelsocken zu entscheiden. Ich bin versucht, wie Ali Baba und die vierzig Räuber in den Kampf gegen die Fürsten der Leichtgläubigen zu ziehen, und der Besetzung von Räuberhöhlen ein Ende zu bereiten. Ihre Zeit ist abgelaufen. Der Schlund schliesst sich und fordert mich auf, Sesam öffne Dich zu murmeln. Einst litt Hanoi unter einer Rattenplage. Die französischen Kolonialherren boten für jedes tote Nagetier eine Prämie. Doch Statt Ratten zu jagen, begannen die Hanoier, die Tiere zu züchten. Was das wohl für mich als Konsument und Kreditkartenbesitzer bedeutet?

Website von Claude Lachat: www.claude-lachat.ch

 

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Bilder: © Claude Lachat

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Heiner
Hut ab, der Mann hat Mut bewiesen. Man weiß nicht wie man selber reagieren würde bei sowas.
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Ich freu mich schon drauf. Glii geits los!
Brumi
Haha, gut auf den Punkt gebracht und wieder ein aktuelles Thema. Ich würde mich freuen, wenn Sie ihr...

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